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Nach Olympia ist Schluss

Die Schweizer Referees Arthur Brunner (32), der für Handball Stäfa pfeift, und Morad Salah (34) beenden nach den Olympischen Spielen in Paris ihre langjährige internationale Karriere. Die Spitzen-Referees bleiben weiter in den Schweizer Ligen aktiv.

Zwölf Jahre auf internationaler Ebene mit rund 300 geleiteten Spielen; Teilnahme an vier Weltmeisterschaften, drei Europameisterschaften, zwei Olympischen Spielen – das internationale Palmarès von Arthur Brunner und Morad Salah liest sich wie jenes eines erfolgreichen Profisportlers. Mit einer gewichtigen Ausnahme: Die beiden Schweizer Unparteiischen absolvierten ihre Einsätze für den Spitzenhandball immer neben ihren beruflichen Aufgaben. Jonglierten mit Ferientagen und Wochenenden, stellten oftmals private Aktivitäten in den Hintergrund. «Für uns war es immer eine grosse Ehre und Freude, die Schweiz als internationale Handballschiedsrichter vertreten zu dürfen. Die Schiedsrichtertätigkeit ermöglichte uns aufregende und unvergessliche Momente», sagt Morad Salah.

«Der Familie nicht länger zumuten»
Die Olympischen Spiele diesen Sommer in Paris werden der letzte internationale Auftritt der Schweizer Aushänge-Schiedsrichter sein. Arthur Brunner und Morad Salah haben ihren Rücktritt aus dem EHF- und IHF-Refereekader bekanntgegeben – nicht etwa, weil ihnen die Aufgabe nicht mehr gefällt, sondern aufgrund gewachsener beruflicher Verpflichtungen. Morad Salah arbeitet bei den Sozialen Diensten der Stadt St. Gallen. Arthur Brunner, hauptberuflich Vizepräsident des Verwaltungsgerichts St. Gallen, ist im Frühling als nebenamtlicher Richter ans Bundesgericht gewählt worden.

Eine Ehre und Verantwortung, die sich jedoch mit den gestiegenen Anforderungen an Handball-Unparteiische nicht mehr vereinbaren lassen: «Meine beruflichen Tätigkeiten wären mit der Schiedsrichterei auf internationaler Ebene nur zu vereinbaren, wenn ich auf Ferien mit meiner Familie gänzlich verzichten würde – dies will ich meiner Frau und meinen beiden Jungs, und auch mir selbst nicht länger zumuten», sagt Arthur Brunner offen. Und Morad Salah fügt hinzu: «Der enorme Aufwand war stets auch mit einem hohen Mass an Verzicht verbunden Ich freue mich, fortan mehr Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen, besonders mit meiner Frau Silvana.»

Präzision, Integrität, unermüdlicher Einsatz
Zu den Höhepunkten ihrer internationalen Karriere gehören zweifellos die Leitung des Halbfinals an den Olympischen Spielen 2021 in Tokio zwischen Spanien und Dänemark und des Finals der European League in Lissabon 2022 (SL Benfica gegen SC Magdeburg). Morad Salah und Arthur Brunner erinnern sich auch an eindrückliche Momente an den geleiteten Junioren-WM-Finals in Jekaterinburg (2015, U19) und Moskau (2016, U20): «Besonders das Spiel in Jekaterinburg bleibt uns in besonderer Erinnerung, denn es war das letzte internationale Spiel, das unser grosser Förderer Roland Bürgi – leider kurz später verstorben – live mitverfolgen konnte. Er war damals unheimlich glücklich, endlich wieder ein Schweizer Schiedsrichterpaar auf dieses Niveau gebracht zu haben, und er wäre wohl ebenso glücklich, wenn er sähe, welchen weiteren Werdegang wir seither verfolgen durften.»

Stephan Summ, Leiter Schiedsrichter des SHV, würdigt die aussergewöhnliche Karriere: «Arthur und Morad sind zwei Sportler von absolutem Weltklasse-Niveau, deren Karriere sehr früh sehr steil nach oben reichte – das gab es so noch nie im Schweizer Handball. Sie haben sich auf der ganzen Welt nicht nur in den Spielen selbst, sondern auch im Kontakt mit den Teams, Offiziellen und dem gesamten Umfeld einen Namen gemacht und immer mit absoluter Professionalität und Fairness überzeugt. Sie werden eine grosse Lücke hinterlassen.»

Weiter Vorbilder sein
Die Pfeifen komplett an den Nagel hängen werden Arthur Brunner und Morad Salah allerdings nicht: Sie werden auch kommende Saison weiter in den Männer- und Frauen-Spitzenligen des Schweizer Handballs unterwegs sein und Partien leiten. Stephan Summ: «Wir freuen uns sehr, dass Arthur und Morad ihr Engagement in der Schweiz weiterführen und uns darüber hinaus noch in weiteren Funktionen in der Aus- und Weiterbildung zur Verfügung stehen.» Mit ihrem Auftreten und ihrer Erfahrung seien sie wahre Vorbilder für viele junge Menschen, die sich fürs Schiedsrichtern interessieren.

Quelle: SHV

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